Lange Zeit war St. Gallen das diskrete Herz der globalen Haute Couture. Doch mit der zweiten Design Week St. Gallen (6. bis 14. März 2026) tritt die Stadt mutig aus dem Schatten der Ateliers. Ein Reisebericht über eine Stadt, die ihre Fäden erfrischend neu spinnt.
Zwischen Erbe und Aufbruch: Die Design Week 2026
Unter dem Motto „Design wird sichtbar“ verwandelt sich die Stadt diesen März in eine Bühne für Innovation. St. Gallen zeigt, dass es mehr ist als ein historisches Archiv. Von der Eröffnung in der legendären Lokremise bis hin zur Design Night, während derer über 30 Ateliers ihre Türen öffnen, spürt man einen schwungvollen Wind. Besonders eindrucksvoll verdeutlicht die Ausstellung „Unlocal“ am Oberen Graben, wie Designer mit St. Galler Wurzeln die internationale Szene aktuell prägen.
Das textile Rückgrat der Welt
Wer allein schon durch die Gassen der Altstadt flaniert, bemerkt den Reichtum, den einst die Stickerei der Stadt bescherte; prunkvolle Erker und herrschaftliche Häuser zeugen von dieser Blütezeit. Doch die „St. Galler Spitze“ ist kein Relikt aus der Vergangenheit. Noch heute beliefern Traditionsbetriebe wie Jakob Schlaepfer oder Forster Rohner die Laufstege in Paris und Mailand. Wer demnach Chanel oder Dior trägt, präsentiert oft auch ein Stück Ostschweiz auf der Haut.
Auf dem Weg zur Modestadt?
Könnte St. Gallen ein „Schweizer Antwerpen“ werden? Die Chancen stehen gut. Während Zürich den Kommerz bedient, setzt St. Gallen auf Handwerk, Deep-Tech und Ausbildung. Die enge Verzahnung der Textilindustrie mit der Schule für Gestaltung schafft eine Brutstätte für Talente. Die internationale Ausstrahlung wächst nicht durch Massenmode, sondern durch die Nische: Qualität, Innovation und nachhaltiges Design sind die neuen Exportgüter.
Ein Muss: Das Textilmuseum
Kein Besuch in St. Gallen ist für mich komplett ohne das Textilmuseum denkbar. Fantastisch ist es nicht nur wegen seiner Architektur, sondern aufgrund der Tiefe seiner Sammlung. Ich habe es demnach besucht, und meine Besichtigung hat mir unvergessliche Eindrücke beschert. Als besonders faszinierend habe ich die Bibliothek empfunden.
Was läuft sonst noch?
Wer zur Design Week anreist, sollte den Start Summit (19.–20. März) im Auge behalten. Hier trifft sich die europäische Startup-Szene. Und für die Genusspause zwischendurch bietet das parallel stattfindende Streetfood-Festival auf dem Olma-Gelände den perfekten Kontrast zum feinen Zwirn der Modewelt. Im März ist St. Gallen also eine Reise wert!
St. Gallen ist keine Stadt für den schnellen Konsum, sondern ein Ort für Modefreunde, die verstehen möchten, wie Stoffe Geschichten erzählen. Die Design Week ist ein idealer Anlass, um diesen textilen Schatz neu zu entdecken.
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